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Lexikon: Bulgarisch

27.12.17 / Sprachlexikon

Das kleine Sprachlexikon: Die bulgarische Sprache

Das kleine Sprachlexikon: Die bulgarische Sprache
'Leberwurst', 'Backenbart' und 'Zeitnot' - was zunächst sehr deutsch klingt, gibt es aber auch in der bulgarischen Sprache: 'лебервурст', 'бакенбард' und 'цайтнот'. Wie es dazu kommt, erklären wir heute in unserem Blog.

Bulgarisch ist eine der slawischen Sprachen, die am ältesten dokumentiert ist. Zusammen mit der mazedonischen Sprache bildet sie die Untergruppe der ostsüdslawischen Sprachen. Knapp acht Millionen Menschen sprechen die bulgarische Sprache, der Hauptteil davon in Bulgarien selbst (ca. 7,7 Millionen Menschen). 

Die Entwicklung der bulgarischen Sprache kann man in drei Epochen zusammenfassen.

Der Beginn der altbulgarischen Periode liegt im 9. Jahrhundert und beschreibt die Zeit, in der die slawischen Sprache als offizielle Sprache im Ersten Bulgarischen Reich übernommen wurde. Die altbulgarische Periode endet um 1018 mit dem Fall des Reiches. In dieser Periode ist auch das kyrillischen Alphabet entstanden.

Die mittelbulgarische Periode dauerte vom 12. bis zum 14. Jahrhundert. Es umfasst die Zeitspanne von der Restaurierung des bulgarischen Reiches bis zur Unterwerfung durch das Osmanische Reich. In diese Zeitspanne fällt auch die Schule von Tarnowo. Im Sinne des Frühhumanismus fanden sprachliche, orthographische und stilistische Reformen statt, die auch die sprachliche Entwicklung in den Gebieten der heutigen Staaten Rumänien, Moldau und Serbien, Ukraine und Russland stark beeinflussten. In der slawischen orthodoxen Kirche ist diese Sprache heute immer noch die offizielle Liturgiesprache.

Die neubulgarische Periode bezeichnet die Zeit seit dem 15. Jahrhundert. In einer 'Bulgarischen Nationalen Wiedergeburt' wurde vor allem die Notwendigkeit erkannt, dass Literatur in der Volkssprache geschrieben sein muss. Eine besondere Rolle bei der Entwicklung dieser Standardsprache kam den Ostbulgaren zu. Durch die Dominanz von Publikationen in ostbulgarischen Dialekten hatten diese einen extrem großen Einfluss auf das Neubulgarische. Auch hatten diese Dialekte eine große Nähe zur russischen Sprache, so dass dadurch der Einfluss der russischen Kultur auf Bulgarien gestärkt wurde. Auch wurde das erste bulgarische Schulbuch, welches von Petar Beron 1824 in Kronstadt herausgegeben wurde, in den typischen ostbulgarischen Dialekten dieser Stadt verfasst.

Heute unterscheidet man in der bulgarischen Sprache drei Hauptdialektgruppen: Westbulgarische Dialekte, ostbulgarische Dialekte und rupzische Dialekte. Westbulgarische Dialekte umfassen die nordwestbulgarische Mundarten, die südwestliche Mundarten und verschiedenen Übergangsdialekte. Ostbulgarische Dialekte bezeichnen die Balkanmundarten und die mysische Mundarten. Rupzische Dialekte sind die Rhodopenmundarten, die ostrupzische Mundarten (Süden der Thrakischen Ebene bis zur türkischen Grenze und im Strandscha-Gebirge) sowie die westrupzische Mundarten.

Der Wortschatz der bulgarischen Sprache umfasst hauptsächlich slawischen Erbwörter. Auch gibt es viele griechische und türkische Lehnwörter. Geschrieben wird das Bulgarische in einer speziellen Variante des kyrillischen Alphabets, welches 30 Buchstaben umfasst (А, Б, В, Г, Д, Е, Ж, З, И, Й, К, Л, М, Н, О, П, Р, С, Т, У, Ф, Х, Ц, Ч, Ш, Щ, Ъ, Ь, Ю, Я). Aber auch aus der deutschen Sprache wurde Wörter übernommen wie zum Beispiel: Auspuff (ауспух), Backenbart (бакенбард), Backpulver (бакпулвер), Edelweiß (еделвайс), Leberwurst (лебервурст), Schiebedach (шибидах), Wunderkind (вундеркинд), Zeitnot (цайтнот) oder Zugzwang (цугцванг). 

 

Fakten zur bulgarischen Sprache:

  • Verbreitung: Bulgarien, Ukraine, Moldawien, Ungarn, Mazedonien, Griechenland, Serbien, Rumänien, Türkei
  • Amtssprache in: Griechenland, Athos, Europäische Union
  • Sprecher(innen): ca. 7,8 Millionen
  • Sprachcodes: bg (ISO 639-1), bul (ISO 639-2), bul (ISO 639-3)
  • Linguistische Klassifikation: Indogermanische Sprachen - Slawische Sprachen - Südslawische Sprachen - Ostsüdslawisch - Bulgarisch



Foto: Sergii Figurnyi - fotolia.com

Ina Leva Ina Leva
  • Sprachen: Bulgarisch, Deutsch
  • Varietät: Deutsch (Deutschland)
  • Sprachalter: junger Erwachsener, dreißiger
Viktor Ouzounov Viktor Ouzounov
  • Sprache: Bulgarisch
  • Sprachalter: dreißiger, junger Erwachsener, Reife Stimme
Viktor Ouzounov ist bulgarischer Sprecher, aber wohnt schon seit mehreren Jahren in Berlin. Mit seiner vollen, kräftigen Stimme hat er schon in vielen Produktionen überzeugt. Ob Imagefilme, Werbespots oder E-Learnings – Viktor ist Profi durch und durch. Seine Erfahrungen in den Bereichen Kunst, Musik und Medien sammelte Viktor Ouzounov auf der ganzen Welt: Er wuchs in Bulgarien auf und besuchte die Academy of Music, Dance and Fine Arts in Plovdiv, studierte danach erst in den USA, dann an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz und arbeitete von 2007 bis 2008 als privater Stimm- und Schauspiellehrer in London. Und wenn er nicht gerade in einem Tonstudio vor dem Mikrofon steht, tourt er als erfolgreicher Dirigent durch ganz Deutschland.

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