Loft-Kultur

Lexikon: Isländisch

28.08.17 / Sprachlexikon

Das kleine Sprachlexikon: Die isländische Sprache

Das kleine Sprachlexikon: Die isländische Sprache
Heute reisen wir in unserer Blog-Serie 'Das kleine Sprachlexikon' an einen mystischen Ort von Feuer und Eis knapp unterhalb des nördlichen Polarkreises, wo ein Computer 'Zahlenwahrsagerin', ein Flugzeug 'Schneller Vogel' und elektrischer Strom 'Bernstein-Kraft' heißt: Island!

Íslenska ist die Sprache, die auf der größten Vulkaninsel der Welt in der Nähe des nördlichen Polarkreises gesprochen wird: In Island. Das heutige Isländisch geht auf des Altisländische aus dem Hoch- und Spätmittelalter zurück, welches wiederum eine sehr große Ähnlichkeit mit dem Altnorwegischen besitzt, da viele Siedler auf Island von der Südwestküste Norwegens stammten. Auch heute besitzt das Isländische noch eine große Ähnlichkeit zu den südwestnorwegischen Dialekten und dem Färöischen.

Während der Frühen Neuzeit war das Isländische einem großen Einfluss durch die dänische und der niederdeutschen Sprache ausgesetzt, was hauptsächlich durch die Übersetzungen des Neuen Testamentes durch Oddur Gottskálksson (1540) und Corvinus Postilla (1546) bedingt war. Nicht nur durch den Einfluss der Reformation, sondern auch durch Händler, die vor allem an der Südküste Islands Handel betrieben, wurde die Isländische Sprache weiter beeinflusst.

Ab Ende des 18. Jahrhunderts gab es den Versuch, aktiv gegen die Beeinflussung des Isländischen durch anderen Sprachen vorzugehen. 1779 wurde die Isländische Literaturgesellschaft (Hið íslenzka Lærdómslistafélag) ins Leben gerufen. Auch wurden in der Folge verschiedene Grammatiken und Sprachlexika veröffentlicht. Um 1816 herum wurde von der isländische Bibelgesellschaft eine neue Übersetzung der Bibel herausgegeben, die mit dem Ziel verfasst wurde, sich auf die ursprüngliche und unverfälschte isländische Sprache zu beziehen.

Ab 1844 war es für alle dänischen Beamten auf Island verpflichtend, Isländisch zu sprechen. Vier Jahre später wurde an der Universität von Kopenhagen erstmals eine Professur für Isländisch eingerichtet. Auch in Bezug auf die Rechtschreibung wurde sich  in diesen Jahren auf das Alt-Isländische zurück besonnen. Im Jahr 1918, im Jahr der Unabhängigkeit Islands von Dänemark, wurde schließlich ein offizielles Wörterbuch des isländischen Staates herausgegeben.

Die isländische Sprache besitzt eine sehr geringe Dialektvielfalt, die sich fast ausschließlich auf die phonetisch-phonologische Ebene beschränkt. Das älteste in isländischer Sprache erhaltene Dokument ist der 'Reykjaholtsmáldagi', ein Kopialbuch, das die Abschriften von Urkunden der Kirche von Reykholt enthält. Die ältesten Eintragungen stammen von ca. 1185.

Als eine Besonderheit des Isländischen gilt, dass es Satzkonstruktionen gibt, bei denen kein Nominativ vorhanden ist ('quirky case'). Eine weitere Besonderheit des Isländische ist, dass man versucht zu vermeiden, zu viele Fremdwörter in die Sprache aufzunehmen. 1964 wurde ein Komitee gegründet, dass die Aufgabe hat, für neue Begriffe rein isländische Ausdrücke zu finden. So heißt zum Beispiel ein 'Computer' im isländischen 'tölva'. Dieser Begriff ist aus den isländischen Wörtern für 'Zahl' und 'Wahrsagerin' zusammengesetzt. Der elektrische Strom heißt beispielsweise 'rafmagn' bedeutet soviel wie 'Bernstein-Kraft' und ein Flugzeug ist ein 'þota', ein schneller Vogel.

Eine weitere Besonderheit im Isländischen sind die Personennamen. Der Vorname ist der auf Island der wichtigste Bestandteil eines Namens, Familiennamen sind hingegen eher selten. Häufig tagen Kinder als Nachnamen den Vornamen des Vaters mit einem rangesetzten 'dóttir' ('Tochter') oder 'son' ('Sohn'). Die Tochter von einem Kristófer könnte dann beispielsweise Freyja Kristóferdóttir heißen. 

Es gibt im isländischen Alphabet 32 Buchstaben, die in weiten Teilen dem lateinischen Alphabet entsprechen. Zusätzlich zu den lateinischen Buchstaben gibt es das  'Ð/ð', das wir ein englischen 'th' ausgesprochen wird, das 'Þ/þ' aus dem Runenalphabet, das wir ein hartes englischen 'th' ausgepsprochen wird, das 'Æ/æ' (ei) und wie im deutschen das 'Ö/ö'. Alle Vokale (einschließlich dem 'y') können mit oder ohne Akzent geschrieben werden. (A / a, Á / á, B / b, D / d, Ð / ð, E / e, É / é, F / f, G / g, H / h, I / i, Í / í, J / j, K / k, L / l, M / m, N / n, O / o, Ó / ó, P / p, R / r, S / s, T / t, U / u, Ú / ú, V / v, X / x, Y / y, Ý / ý, Þ / þ, Æ / æ, Ö / ö)


Fakten zur isländischen Sprache:

  • Verbreitung: Island
  • Amtssprache in: Island, Nordischer Rat
  • Sprecher(innen): ca. 310.000
  • Sprachcodes: is (ISO 639-1), ice (ISO 639-2,B), isl (ISO 639-2,T), isl (ISO 639-3)
  • Linguistische Klassifikation: Indogermanische Sprachen - Germanisch - Nordgermanisch



Foto: ronnybas - fotolia.com

Thorbjörn Björnsson Thorbjörn Björnsson
  • Sprache: Isländisch
  • Sprachalter: junger Erwachsener, dreißiger

Schreiben Sie einen Kommentar

Sie können hier diesen Blogartikel kommentieren. Bitte geben Sie dazu auch Ihre Emailadresse an. Wir schicken Ihnen nach dem Absenden einen Bestätigungslink, mit dem Sie Ihren Kommentar freischalten können.

Wir verwenden Ihre Emailadresse ausschließlich für das Versenden des Bestätigungslinks. Ihr Emailadresse erscheint nicht öffentlich.

Ähnliche Artikel

10.07.17 / Sprachlexikon

Lexikon: Polnisch

Heute startet unsere neue Blog-Serie "Das kleine Sprachlexikon". Hier tragen wir wissenswerte Fakten über die Sprachen zusammen, die in unserer Agentur vertreten sind, und präsentieren Euch passende Hörbeispiele unserer Sprecher. Wir beginnen mit der polnischen Sprache.
17.07.17 / Sprachlexikon

Lexikon: Finnisch

In unserer Reihe "Das kleine Sprachlexikon" bewegen wir uns heute hoch in den Norden und stellen die finnische Sprache vor. Passend dazu gibt es natürlich auch wieder Hörbeispiele von Sprechern aus unserer Agentur. 'Puhutko suomea?'
24.07.17 / Sprachlexikon

Lexikon: Chinesisch

In unserer Serie "Das kleine Sprachlexikon" bewegen wir uns heute in eine Sprachraum, der größer als Europa ist. Warum sich Sprecher der neun Hauptdialekte nicht miteinander unterhalten, aber dennoch miteinander schreiben können, erfahrt Ihr in unserem Artikel.
31.07.17 / Sprachlexikon

Lexikon: Portugiesisch

Heute stellen wir in unserer Serie "Das kleine Sprachlexikon" eine Sprache vor, die sich im 15. und 16. Jahrhundert weltweit verbreitete und heute nicht nur in Portugal sondern auch immer noch in Angola, Brasilien, Mosambik und in São Tomé und Príncipe alleinige Amtssprache ist.
07.08.17 / Sprachlexikon

Lexikon: Maltesisch

In unserer Serie 'Das kleine Sprachlexikon' stellen wir Euch heute Maltesisch vor. Die Sprache der Insel Malta hat sich einst aus dem maghrebinischen Arabisch entwickelt, ist die einzige semitische Sprache in Europa und auch die einzige, die das lateinische Alphabet verwendet.
21.08.17 / Sprachlexikon

Lexikon: Tschechisch

Heute geht es in unserer Blog-Serie 'Das kleine Sprachlexikon' um die tschechische Sprache, die von insgesamt 13 Millionen Menschen gesprochen wird. Dennoch ist diese Sprache und ihre Entwicklung eng mit zentralen historischen Ereignissen Europas verknüpft.

Neuste Blog-Einträge

14.09.18 / Sprecher

September 2018 - Teil 2

Heute präsentieren wir euch den zweiten Teil unserer neuen Sprecherinnen und Sprecher im September. Wir freuen uns über bekannte deutsche Synchronschauspieler und markante Werbestimmen in vielen verschiedenen Sprachen. Herzlich willkommen!
07.09.18 / Sprecher

September 2018 - Teil 1

Wie immer am ersten Freitag im Monat stellen wir euch die neuen Stimmen bei speaker-search vor. Und weil wir es mal wieder nicht lassen konnten, haben wir im September gleich 20 herausragende Stimmen in unsere Kartei aufgenommen. Heute gibt's die ersten zehn.
10.08.18 / Sprecher

August 2018 - Teil 2

Diesen Monat haben wir besonders viele neue Stimmen in unserer Kartei. Daher gibt es heute die zweite Vorstellungsrunde: Mit dabei sind die deutschen Stimmen von Dwayne "The Rock" Johnson und Catherine Zeta-Jones sowie Sprecher aus Südafrika, Großbritannien, der Schweiz.